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eBay Kleinanzeigen _ Kostenlos. Einfach. Lokal_page3_image4Ein Stromer in Berlin…

Januar 2015

Elektromobilität – mittlerweile ein Begriff, mit dem auch auf breiterer Ebene etwas verbunden wird. Mittlerweile fast alle großen Hersteller von Automobilien (außer die Deutschen natürlich) haben da inzwischen etwas im Köcher und bemühen sich, am Saubermannimage zu polieren.

Persönlich hat mich die Technik dahinter immer begeistert – als Modellflieger haben mich die Vorteile von E-Motoren verbunden mit einer guten Akkutechnik schon immer überzeugt. Allein die Umsetzung in die KFZ-Technik war noch deutlich hinter den Anforderungen zurück.

Klar ist das, was Tesla auf die Räder stellt, der sprichwörtliche Hammer. Aber erst mit den kürzlich marktreifen Modellen von Renault, Mitsubihi, BMW (tatsächlich die einzige ernsthafte Ausnahme – der I3) und Smart (naja) ist m.E. der Weg geöffnet, das Ganze voranzubringen.

Ein Bekannter stieg dann auf einen Renault ZOE um, was mich dann doch mal etwas genauer hinschauen ließ. Gut, für einen ZOE, E-Smart oder Ähnliches konnte ich mich dann doch nicht erwärmen – mit diversen Zweirädern, einem herkömmlichen Smart und einem nicht ganz so klimafreundlichen Modell einer deutschen Premiummarke sind Erweiterungen des Fuhrparks schon platztechnisch Grenzen gesetzt.

Aber da war doch mal etwas…

Anfang 2012 wurde ein seltsames Gefährt vorgestellt, dass mich stark an meinen C1 erinnerte (das ist diese 2-rädrige Knutschkugel, die BMW eine Zeitlang als Roller verkaufte und die mir immer noch treue Dienste leistet). Ausgerechnet die Franzosen warfen mit dem ZE Twizy einen Sympatieträger auf den Markt, der rein elektrisch immerhin halbwegs realistische 60 bis 70km Reichweite hat und an jeder Steckdose geladen werden kann. Ein schmaler Zweisitzer mit puristischer Ausstattung („reduce-to-the-max“) und einem klaren „Ist der süß!“-Effekt.

So ab Anfang 2014 begann ich mich dafür konkreter zu interessieren und verfolgte die Entwicklung etwas genauer. Die Crux der schwachen Infrastruktur hinsichtlich der Lademöglichkeiten hatte sich mittlerweile wenigstens auf dem Papier und für den Raum Berlin etwas gebessert, so dass es nicht mehr völlig aussichtslos erschien, elektrisch auch mobil zu bleiben. Und die grundsätzlich eher unverschämt teuren E-Fahrzeuge wurden auf dem Gebrauchtmarkt langsam zu etwas zivileren Preisen angeboten., Renault hatte das Mietmodell für den Akku – dieser wird nicht gekauft, sondern gemietet – überarbeitet und realistischere Tarife ergänzt, so dass mit € 40,- bis € 50,- monatlicher Miete eine bezahlbare Größenordnung verfügbar war.

Ab Sommer dann begann ich mal ganz vorsichtig, mein Netz auszuwerfen. Objekt der Begierde: Ein Twizy Urban 80

Zunächst wollte ich natürlich eine Probefahrt machen. Dringesessen hatte ich bei diversen Präsentationen bereits, das Sitzgefühl war erstaunlich gut und versprach mehr. Also ganz blauäugig beim Renault-Händler um die Ecke rein und um Termin gebeten: Ja, so geht das ja gar nicht. Es sind nur einige besondere Händler mit dem Privileg ausgestattet, die ZE-Modelle führen zu dürfen. Also mit Händlern telefoniert, die diese Weihen erfahren haben.

Meine Anrufe bei mehreren Händlern in Berlin und Umgebung waren erst mal von merkwürdiger Resonanz. Zunächst kannte sich keiner wirklich aus und verwies im besten Falle an einen Kollegen, der i.d.R. aber nicht da war, sich aber selbstverständlich umgehend melden würde – worauf ich heute noch warte..

Auf hartnäckigeres Nachfragen nach einer Probefahrt wurde außerdem auf die gerade fehlenden Vorführer verwiesen, mit besonderem Enthusiasmus fielen die Mitarbeiter in den angefragten Autohäusern nicht wirklich auf. Da das Projekt „Elektromobilität“ nun auch nicht unter den Top-Ten meiner Prioritäten gelistet war, war mein impetus erst mal eingebremst und beschränkte sich fürderhin auf die passive Marktbeobachtung.

Der Winter kam und die Preise für einen Twizy fielen für ein 2,5 Jahre altes Fahrzeug auf € 5000,- bis € 6000,-. Offenbar wollen viele Händler die nach Ablauf der Garantie zurückkommenden Twizys loswerden. Dachte ich jedenfalls.

Mehrere Angebote fanden mein Interesse, leider häufig weit weg von meinen üblichen Wirkungskreisen, was die persönliche Kontaktaufnahme schwierig gestaltete. Und wie schon früher war die Motivation der Autohäuser, mich in meinem Bemühen zu unterstützen, eher rudimentär.

Einen Stromer , den ich schon länger interessiert beobachtete, wollte ich dann aber doch etwas genauer in den Fokus nehmen. Nach etlichen Telefonaten hatte ich dann endlich einen „Auskenner“ dran. Nach den üblichen und langsam nervenden Beweihräucherungen über das tolle Konzept im Allgemeinen und den Twizy als urbanen Heilsbringer im Besonderen  stellte sich heraus, dass das beworbene Modell ja gar nicht dort vor Ort, sondern in einem anderen Niederlassung des gleichen royalen Händlers stehen sollte – ich sollte es doch bitte dort versuchen…

Gesagt getan, nach wiederum mehreren Versuchen hatte ich dann endlich den offenbar kundigen und für das angebotene Fahrzeug auch verantwortlichen Verkäufer an der Strippe. Es lies sich auch tatsächlich ein Termin zur Probefahrt vereinbaren. Dort angekommen stand nach Erledigung der üblichen Formalitäten, die sich durch die immens große telefonische Beliebtheit des Verkäufers nur unwesentlich hinzogen, der Probefahrt nichts mehr im Weg. Irritierend war nur, dass mir den nette Herr gleich sagte, dass der Twizy praktisch schon auf dem Weg zu einem Kunden sei, um dort für ein Jahr als Vorführer zu dienen, er mir aber natürlich noch andere Twizys in der Preisklasse (die knapp € 1000,- über den Angebotspreis des favorisierten Stromers lagen) anbieten könne – offenbar hatte er die Annonce auch nicht so richtig im Kopf.

Jedenfalls war die Probefahrt trotz des eher demotivierenden „Verkaufsgespräches“ durchaus geeignet, mein Interesse zu erhöhen und ich wäre gern etwas präziser zu Konditionen und Abwicklungen geworden. Leider war der weiterhin äußerst beliebte Verkäufer nur schwer von seinem Handy loszueisen und konnte mir nur zwischen Tür und Angel einen Rückruf mit konkreten Angeboten versprechen. Und richtig – auf den warte ich auch noch…

Angesichts der in meinem Job überaus stressigen Jahresendphase war damit mein Projekt E-Mobilität erstmal wieder in die theoretische Betrachtung verlegt, was sich aber durch eine private Annonce zwischen den Feiertagen änderte. Ein gerade einmal 6 Monate alter Twizy sollte zu einem vertretbaren Preis den Halter wechseln. Der Clou war, dass der Besitzer das Gefährt mit „Türen“ versehen hatte, die aus solider Plane vom Profi gefertigt waren. Dazu muss man wissen, dass sich die “offenen“ Twizys einer deutlich geringeren Nachfrage erfreuen, was mit der Verwöhntheit der überwiegend aus der geschlossene Autos fahrenden Klientel  erklären mag. Wer sich allerdings einmal unter den Schwingtüren hindurch in den Twizy gequengelt hat, sieht das möglicherweise anders – ich habe durch den offenen C1 da sowieso kein Problem. Zumal die „Türen“ nur mit aufwendigen Maßnahmen (= separat erhältlichen und zu montierenden Scheiben) wirklich geschlossen sind. Dennoch ist eine geschlossene Ausführung bei den gerade herrschenden Winterbedingungen natürlich ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Meine Neugier war also geweckt und die erste Inaugenscheinnahme positiv, und nach einigen Verhandlungen kam es schnell zu einer Einigung über den Halterwechsel. Noch am gleichen Abend war der Deal abgeschlossen  und der Twizy  mit mir unterwegs in sein neues Zuhause. Dass die Fahrt im Schneegestöber erfolgte, ließ mich gleich die überraschend gute Wintertauglichkeit des kleinen Gefährts testen. Mit den aufgezogenen Winterreifen kann man die nicht vorhandenen Sicherheitssysteme (außer einem Lenkrad-Airbag und den Gurten gibts da nix) tatsächlich ganz gut verschmerzen.

So, nun stand er erst mal da. Nach einigem Hin und Her in Garage und Stellplatz waren dann auch alle Fahrzeuge halbwegs sortiert und untergebracht. Die Verlegung zweier neuer Stromkreise war angesichts der relativ geringen Anforderungen (Anschluss Schuko 16A, Ladestrom etwa 2200W) kein Akt.

Bedingt durch den Jahreswechsel gestaltete sich dann aber das weitere formale Procedere doch etwas komplizierter. Auf der Suche nach einer Versicherung für den Twizy zeigte sich, dass die konkrete Umsetzung der guten Vorsätze zur E-Mobilität der Realität noch weit hinterherhinkt. Kaum ein Onlineportal kannte den Twizy, der zulassungstechnisch als Quad eingeordnet wird und die Renault-typische Mietbatterie hat. Und die ausschließlich auf Anfrage aufgerufenen Preise für Haftpflicht und (erforderlicher) Vollkasko bewegten sich zwischen € 400,- und € 800,-. Enttäuschenderweise reagierte auch der ADAC, der sich offiziell als Förderer der E-Mobilität sieht, gar nicht – eine Online-Abfrage scheiterte an der Nichtkenntnis des Twizys und auf ein „manuelles“ Angebot – ja, auch darauf warte ich noch immer. Selbst mein sonst überaus tüchtiger Makler konnte mir kein wirklich überzeugendes Angebot machen. Insgesamt 10 Anfragen bei verschieden Versicherern und Maklern wurden mit Mondpreisen oder gar nicht beantwortet.

Erst die sehr regen privaten Foren halfen mir weiter (ein Hoch auf das I-Net)– ein Makler hat sich auf den Twizy und die Versicherungsproblematik konzentriert und konnte ein unschlagbares Angebot machen. Puhh, das war geschafft und der Kleine konnte zugelassen werden. Dass das in Berlin seine eigenen Herausforderungen hat, wissen die Berliner – selbst der Zulassungsdienst brauchte 3 Tage…

Aber die Zeit konnte ich ja mit ein paar Lockerungsübungen zum Thema Mobilität füllen: Schließlich gilt es ja noch, den Zugang zu den Ladestationen einzurichten. Nicht überall kommt man ja an eine freie Schukosteckdose ran. Und damit das erste Problem: Die Ladestationen werden mittlerweile fast ausschließlich mit sog. Typ 2 Steckern bedient, ein Standard, der sich insofern positiv durchgesetzt hat. Nützt nur meinem Stromer nicht – der will an Schuko ran. Man braucht also einen Adapter, den man käuflich erwerben kann zu Kursen zwischen € 250,- und € 450,-. Uff?!

Wiederum dank der findigen Foren war die Selbstkonfektion kein unüberwindliches Problem – Teile besorgt und munter gelötet. Für ca. € 100,- hab ich das Adapterkabel jetzt im Staufach zu liegen.

So weit, so gut: Damit ist aber noch kein einziges Kilowatt im Akku meines Stromers. Dazu bedarf es noch der Überwindung weiterer Formalismen in Form von Stromlieferungsverträgen. Ja, im Plural, da es noch immer kein einheitliches Roaming-Verfahren gibt und jeder der 4 Stromriesen sein eigenes Süppchen kocht. Insbesondere der Berliner Anbieter Vattenfall will den Zugang zu seinen Kilowatt nur über einen Vertrag mit Grundgebühr zulassen, was für mich als 99%igen Homelader wenig Sinn macht (Nachtrag Sommer 2017: Vattenfall bietet jetzt auch einen Tarif ohne Grundgebühr/Mindestverbrauch an) (Nachtrag 2019: Ist auch wieder passé – aber der ADAC hat eine Ladekarte ohne Grundgebühr!).

Naja, RWE stellt eh die meisten Ladesäulen in Berlin, also dort versucht. Gleiches Spiel, Strom gibt’s nur mit Grundgebühr. Und wieder hilft die Community: Eine Tochter des Riesen (BEW) bietet einen Vertrag ohne Grundgebühr, via Roaming sind somit die RWE Säulen nutzbar . Lediglich die Strompreise sind natürlich etwas höher, aber das ist ein Rechenexempel (Nachtrag Dezember 2017: Zum Jahreswechsel umgestellt auf Grundgebühr mit Frei-kWh und damit uninteressant für Gelegenheitslader) (Nachtrag 2019: Alternative: ADAC).

Dazu noch die Karte des Marktführers in Sachen übergreifender Versorgung „The New Motion“ . Sie finanzieren den Service durch eine neben dem Stromtarif des jeweiligen Anbieters zu zahlenden Ladepauschale und haben viele Roamingpartner.  Sozusagen für den Not-Notfall. Nachteil: Die Anbieterpreise sind praktisch nicht zu erkennen und teilweise der reinste Wucher!)

Mit Ladekabeladapter und zwei Stromlieferungskarten (bzw. den recht brauchbaren Apps fürs Smartphone) bin ich erst einmal gerüstet.

Und die Praxis?

Naja, das wird sich einpendeln. Bislang jedenfalls positiv. Die erste lange Fahrt vom Verkäufer nach Haus wurde durch eine spontane Geburtstagseinladung so ausgedehnt, dass ich die Steckdose des Gastgebers in Anspruch nehmen musste – aber auch konnte. Der abendliche Aufenthalt in netter Atmosphäre reichte für die fast vollständige Aufladung, die knapp 7 KWh Strom waren nicht mal was für die Kaffeekasse.

Längere Fahrten wollen insbesondere bei Temperaturen unter 10Grad überlegt sein, mehr als 60km Reichweite sind dann verlässlich nicht drin.

Der Fahrkomfort ist nicht wirklich mit einem Auto zu vergleichen, selbst den von mir in meinen Studententagen geliebten Fiat Bambino habe ich da komfortabler in Erinnerung. Die Lautstärke ist durch das Getriebe und die Windgeräusche ziemlich hoch (ok, da war der luftgekühlte 2-Zylinder des Bambino gefühlte 10cm hinter meinem Rücken nicht wirklich angenehmer), eine Heizung gibt es grds. nicht (der Vorbesitzer hat ein kleines Heizgebläse für den Fußraum nachgerüstet, was möglicherweise zulasten der Reichweite ein wenig helfen mag) und das Fahrwerk erinnert an den alten Mini Cooper eines Kommilitonen aus längst vergangenen Studienzeiten, der auf einer baustellenbedingten Slalomstrecke regelmäßig Zeitrekorde aufstellte – damals war meine Wirbelsäule aber auch noch wesentlich flexibler und die Bandscheiben einige Millimeter dicker! Das Gocart-Feeling ist aber ähnlich. Erstaunlich, wie sich um die Ecken flitzen lässt – etwas, was wegen der wirtschaftlich verbotenen Nutzung der Bremse durchaus Sinn macht. Wie man überhaupt einiges anders sieht. So wird der Umgang mit dem Gaspedal zu einer durchgehenden sportlichen Herausforderung, deren Erfolg sich in der dynamischen Änderung der Reichweitenanzeige unmittelbar niederschlägt. Ein gefühlvoller „Gas“-fuß amortisiert sich hier sofort, was durch sparsamen Gebrauch der Bremse und der damit verbundenen Nutzung der Rekuperation (= Umsetzung der Bewegungsenergie in Strom durch den dann als Generator wirkenden E-Motor) noch nachhaltig gesteigert werden kann. Erstaunlich, wie gut  das funktioniert – offenbar ja so gut, dass Renault die Bremsanlage insgesamt recht zurückhaltend ausgelegt und der Rekupation den Großteil der Bremswirkung zugedacht hat!

Im Alltag gewöhnt man sich recht schnell dran, so dass auch der eine oder andere schnelle Ampelstart, den der Stromer dank des von Null anliegenden maximalen Drehmomentes verblüffend sportlich absolviert, „drin“ ist.

Wie sich die vergleichsweise simple Technik auf Dauer bewähren wird, gilt es zu erfahren. Eins jedenfalls habe ich schnell bemerkt: Wer durch verkehrsberuhigte oder sonst wie stark fußgängerfrequentierte Bereiche fährt, muss überaus achtsam sein. Da der Stromer im Schritttempo wirklich fast unhörbar ist, tritt einem der eine oder andere recht unvermittelt vor das Auto und erschreckt höllisch, wenn entweder die Bremsen quietschen oder die Hupe ertönt.

Ansonsten ist der rauhe Berliner Straßenverkehr eher anstrengend. Der kleine Twizy wird überwiegend nicht wirklich ernst genommen, sondern offenbar in die Ecke „Krankenfahrstuhl – neudeutsch: Mobilitätshilfe“ gesteckt. Dass man dann doch ganz locker mitziehen kann, führt zu überraschten Blicken – spätestens mit dem oftmals zwingenden Betätigen der Hupe (Huch, wo kommt der denn her?!), an deren Bedienung man sich sowieso schnell gewöhnen sollte.

Die Wintertauglichkeit des Stromers ist erstaunlich – wie sich schon auf der Jungfernfahrt andeutete, gibt es auch angesichts von Temperaturen zwischen 0 – -5 Grad und Schnee keinerlei fahrtechnische Probleme. Klar, ABS wäre hilfreich, aber geringes Gewicht und ausgezeichnete Traktion der – allerdings zwingend erforderlichen – Winterreifen machen das Handling durchaus spassig. Mit den Tür-Planen ist der Stromer geschlossen genug, um Fahrstrecken von einer halben Stunde – angepasste Kleidung vorausgesetzt – unbeschadet zu überstehen, allerdings bin ich da vom völlig offenen C1 Härteres gewöhnt. Der ist – mal die dann schon grenzwertigen Straßenverhältnisse aussen vor –  unter 10 Grad nicht wirklich kuschelig…

Manko der Kälte: Die Reichweite liegt bei angezeigten 60km. Hab ich zwar noch nicht ausgereizt, setzt größeren Reiseambitionen aber deutliche Grenzen, zumal die Berliner Straßenverhältnisse eine vorausschauend sparsame Fahrweise nicht wirklich zuverlässig erlauben.

Der Sommer naht!!

So, die Seitenplanen sind ab, die Winterreifen runter und die Super-Ecos drauf – bei dem Kleinen eine Sache von einer halben Stunde mit Bremsenkontrolle und was man sonst noch so macht. Lange werde ich die Teile aber nicht drauf behalten – bei Regen sind die reichlich tückisch, wie leider die meisten Ecos. Ob die wirklich signifikant mehr Reichweite errollen, wage ich zu bezweifeln, der Sicherheit ist mit diesen Teilen definitiv nicht gedient.

Bei der Gelegenheit habe ich das Kofferraumproblem gelöst: Ein „Gepäckträger“ sowie eine stabile Alubox am Heck sorgt für Platz. Kosten: € 500,- und 5 Stunden Arbeit (ca. 2 davon lassen sich durch Kauf einer fertigen Kofferlösung einsparen).

Angesichts der inzwischen deutlich gestiegenen Temperaturen wird schon mal eine Reichweite von 84km angezeigt. Das hält man im Stadtverkehr nicht wirklich, aber eine Reichweitensteigerung ist deutlich zu bemerken.

Ach ja, mittlerweile hatte der Kleine auch schon „dolles Aua“: Als ich eines Morgens losstromerte, wunderte ich mich: Hatte ich vergessen hatte, zu laden? Nur halbe Kapazität wurde angezeigt, obwohl ich mir recht sicher war, den Twizy ordentlich an die Steckdose angeschlossen zu haben. Das reichte dann am Abend gerade noch nach Hause (die letzten Meter hatte der Kleine tatsächlich schon in den Zwangssparmodus geschaltet!). Kontrolle nächsten Tag: Kein einziges Watt hatte sich in den Akku verirrt. Also Renault angerufen: Der Kleine muss in Krankenhaus. Abholung klappte, das Grinsen des Fahrers gabs gratis („Ja ja, ist halt noch nichts für die Straße…“). Diagnose: Der Lader ist defekt (ein übrigens gängiges Problem der ersten Serie). Gut, dass es Garantie gibt: Das wären fast € 1000,- plus Lohn gewesen. Die typischerweise quietschenden Bremsen wurden dabei auch überholt: das wären nochmal € 150,- plus Lohn fällig geworden.

Ansonsten fängt der Kleine richtig an, Spass zu machen!! Und da Parken völlig unproblematisch auch quer funktioniert, habe ich bislang meinen C1 kaum vermisst (der jetzt ziemlich vernachlässigt wird…).

Sommer 2016

Der Spass geht weiter: Den Sommer über kann man das fast unbeschwerte Offenfahren wirklich gut genießen – so sehr, dass weder Motorrad noch C1 auf ihre Kosten kamen. Bisher bin ich auch ohne jemals an einer Zapfsäule laden zu müssen über die Runden gekommen – meist reichte eine „Zwischenladung“ per Kabeltrommel am Büro, um auch etwas weitere Strecken zu bewältigen – damit kann ich insgesamt gute 100km am Tag fahren, das reicht eigentlich fast immer.

Der erste Service war fällig und damit das eigentlich größte Ärgernis – die „großzügige“ Verteilung der Werkstätten für die E-Modelle (2 Stk in ganz Berlin un Umland). Dafür entschädigte die Rechnung: € 65,- für die Inspektion ist schon ein Wort.

Nachdem der Sommer endgültig vorbei ist und die ersten Schneeflocken gefallen sind, hab ich auch wieder die Winterreifen drauf – niedlich, geht noch schneller als beim Smart. Die letzten Tage bei kalten Temperaturen und Nässe waren mit den Eco-Reifen alles andere als nett – jetzt fährt er auch bei ungemütlichem Wetter sicher.

Tja, und so langsam muss ich erstaunlicherweise auf die km achten – da mein Batteriemietvertrag eine Jahresfahrleistung von 5000km umfasst, wirds langsam eng.

November 2017

Holla, wie die Zeit vergeht – der erste „TÜV“ war fällig – das heisst, ich hab den Kleinen schon 3 Jahre! Prüfung sehr easy, AU fällt ja komplett weg und der Rest ist auch überschaubar. Keine Beanstandungen und ab dafür…

Schlechte Nachricht von der RWE-Tochter: Umstellung des Tarifes mit Grundgebühr, die „abgeladen“ werden kann. Da ich die Karte nur zur Not brauche, ist das uninteressant für mich, also gekündigt.

Der die Mindestlaufzeit meines Batteriemietvertrages läuft zum Jahresende aus – obwohl mein Tarifmodell nicht mehr offiziell angeboten wird, verlängert Renault den Vertrag – prima, denn die neuen Tarife sind mir zu teuer.

Februar 2018

Dieser Tage bereue ich schon, das ich auf die Seitenteile verzichtet habe – bei -10°C ist es schon grenzwertig kalt….

Eine Decke über die Beine hilft zwar diese vor extremer Auskühlung zu bewahren, aber die Finger werden schon arg klamm. Was nicht umbringt, härtet ab – angesichts der verschnupften Gesichter um mich rum, scheint das sogar zu funktionieren!

Ärgerlich ist eher die reduzierte Reichweite – heute morgen werden gerade mal 48km angezeigt. Wie ich gestern schon feststellen musste, ist das leider sehr realistisch und eher zu hoch gegriffen. Auch wenn längere Strecken bei den Temperaturen nicht so angesagt sind, muss ich da schon ganz schön rechnen.

Sommer 2019

Es ist wirklich wenig zu berichten. Eine Werkstatt hat der Kleine seit der letzten Inspektion nicht gesehen – und meine regelmäßigen Kontrollen haben auch keinerlei Bedarf dafür ergeben. Günstiger geht nicht. Die Bremsen leider eher am Nichtgebrauch, da die Ausnutzung der Rekuperation diese weitgehend überflüssig macht.

Also alles im grünen Bereich? Nach über 5 Jahren E-Mobilität halte ich das Konzept für zukunftsfähig – was die Hardware betrifft. Als Ende 2018 ein Fahrzeugwechsel anstand, habe ich ernsthaft durchgespielt, ob ein „großer“ Stromer in Frage kommt. Im Fokus: Hyundai Kona bzw. der baugleiche KIA e-Niro. Beste Bilanz, anständige Größe, (fast) ausreichende Reichweite. Leider ohne Anhängerkupplung. Ansonsten konkurenzlos – die Deutschen verpennen ja wirklich alles in diesem Bereich. Arbeitnehmer in der Automobilbranche sollten sich langsam nach Alternativen umsehen – vielleicht in der Kohle? Die wird ja großzügig subventioniert.

Warum wurde da nichts draus? Weil die Ladeinfrastruktur immer noch keine ist. Ich plane Fahrten grundsätzlich so, dass ich mit meinem Reststrom nach Hause komme. Weil irgendwas ist immer:

  1. Man muss überhaupt erst mal am oder wenigstens in der Nähe des Zielortes eine Ladestation angeboten bekommen. Ganz ehrlich: 15min Fussweg zum eigentlichen Ziel sind da nicht nicht motivierend.
  2. Die Ladesäule muss auch passen – die neuen, mit eigenem Ladekabel (z.B. IKEA) gehen ohne Adapter nicht (ca. € 250,-)
  3. Ich muss auch die passende Kundenkarte haben – immer noch ein Problem bei unzähligen Anbietern.
  4. Der Tarif sollte auch kein Wuchertarif sein. Immer noch werden die Kosten i.d.R. an den Säulen nicht benannt. Zeittarife, die unabhängig vom bezogenen Strom abrechnen, sind eine Frechheit – Kosten von locker € 5,- pro kWh sind da keine Ausnahme.
  5. Ach ja, und wenn alles passt, steht ein „Stinker“ auf dem Ladeplatz (was die beste App natürlich nicht wissen kann und den Platz als „verfügbar“ ausweist!). Wobei der Ehre halber zu sagen ist, das manche E-Mobilisten meinen, der Ladeplatz sei ein Dauerparkplatz mit Lademöglichkeit und stehen dort mal eben den ganzen Tag.

Angesichts der selbst im drögen Europa bereits gestellten Weichen in Richtung E-Mobilität verspielt Deutschland wirklich jede Zukunftschance, hier noch mitschwimmen zu können. Allein die zögerliche Auseinandersetzung mit der Batterieforschung und -produktion ist vorgezogenes Begräbnis des Hochtechnologiestandortes Deutschland.

to be continued…

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